Golden Age Gymnastik Festival auf Gran Canaria
Im November 2005 lockte erstmals eine Probeveranstaltung „Golden Age Gymnastik Festival“ (GAGF) ältere Turner/innen an die Küste der Insel Gran Canarias. Vorgesehen war damals, wegen der veränderten Altersstrukturen Europas, dass solch eine Veranstaltung alle vier Jahre, nämlich jeweils zwischen zwei Welt - Gymnaestraden, stattfinden sollte. Diese Testveranstaltung wurde sofort beim Probelauf ein voller Erfolg. In Briefen, Gesprächen und Emails brachten die Teilnehmenden zum Ausdruck, dass im Alter ein vier Jahresabstand schade sei, da man ja gar nicht absehen könne, ob man überhaupt noch leben würde bzw. wie der Gesundheitszustand sich im höheren Alter von einem Jahr zum anderen verändern würde.
Dem Wunsch, jedes Jahr solch ein Festival durchzuführen, wurde entsprochen, und so gab es nach der 2005 durchgeführten Veranstaltung 2006 und 2007 jeweils ein „Internationales Gymnastik Festival 50+“ (IGF 50+) und in diesem Jahr, also schon nach drei Jahren, wieder ein Golden Age Festival.
Beide Veranstaltungstypen kennzeichnet eines gemeinsam aus: sie enthalten weder Wettbewerbe noch Wettkämpfe und beide orientieren sich an den meistens im Erwachsenenalter veränderten Motiven Sport zu betreiben, nämlich:
- etwas für die Gesundheit zu tun,
- mit anderen, möglichst Gleichgesinnten, zusammen zu sein,
- Bekanntes zu üben, zu erhalten und zu verbessern
- Unbekanntes zu erproben,
- und das, in einer möglichst angenehmen Atmosphäre,
- bei nicht allzu hohem finanziellen Aufwand.
Auch müssen die Teilnehmenden nicht, wie beim BLUME FESTIVAL, etwas aufführen, sie dürfen, wenn sie möchten.
Gemeinsam statt einsam
Eine Art „Auffangbecken“ dieser Bedürfnisse bot das damals, wie auch jetzt immer noch, jährlich stattfindende BLUME-FESTIVAL. Noch immer denken viele es sei ein Blumen-Festival, doch der Namensgeber war Joaquim Blume.(siehe Artikel weiter unten auf dieser Seite)
War das BLUME FESTIVAL bis 2004 vorwiegend ein Kinder- und Jugend-Festival und besteht es auch heute noch vorwiegend aus Vorführungen, wurde 2005, zusammen mit der UEG (Union European Gymnastique = Europäischen Turn-Union) der Versuch gestartet die Generation 50plus durch Workshops zur Teilnahme zu bewegen. Und so werden seitdem auch diejenigen von den Angeboten angesprochen, die entweder keine Lust (mehr) haben zu zahlreichen Proben für die Vorführungen oder selbst wenn sie es möchten, gar keine Gruppe aus ihrem Verein für solch eine Reise in den ewigen Frühling zusammen bekämen.
1700 Teilnehmende aus 20 Europäischen Ländern
Seit 2005 stiegen die Teilnehmerzahlen sowie die Anzahl der teilnehmenden Länder ständig an. Außer den 20 europäischen Ländern war 2008 auch Japan mit 4 Beobachtern anwesend, da man ebenfalls dort überlegt eine ähnlich geartete Veranstaltung für die Älteren einzuführen.
Deutschland war mit seinen 280 älteren Teilnehmenden stärker vertreten als die Älteren des Gastgeberlandes (243). Es folgten Island (209), Niederlande (177), Norwegen (143), Finnland (116).
Die für Deutschland gemeldeten 280 Teilnehmenden kamen aus Baden, Hamburg, Hessen, Mecklenburg Vorpommern, Sachsen, aus dem Saarland und aus Niedersachsen. Wobei der NTB in diesem Jahr mit 106 Vertreter/innen der teilnehmerstärkste Landesturnverband war. Im einzelnen nahmen teil:
eine NTB-Qigong-Gruppe (Emmy und Otto Fischer),
der Turnkreis Celle (Traude Kell)
der TV Jahn Delmenhorst (Doris Havekost)
der TSV Heiligenrode (Herbert Nothdurft) und
die Gruppe NTB 50+ (Bärbel Schöttler)
Gerade die Einführung dieser letztgenannten Gruppe hat sich sehr bewährt. Hier wurden Einzelreisende oder Ehepaare aufgefangen, die die Bedingung „mindestens 6 Teilnehmer /innen aus einem Verein“ oftmals nicht hätten erfüllen können. Dankenswerter Weise stellte sich Irmtraud Jacke vom Landesturnausschuss der Älteren im Vorfeld zur Verfügung die Gruppe zu koordinieren.
Workshopthemen, von Boule bis Baile Salza
Die Themenbereiche waren aufgeteilt in:
Wasseraktivitäten: Wassergymnastik, Fun Hydro Bic, Aqua-Jogging, Aqua Tonic,
Gesundheit /Gymnastik: Pilates, Alexandertechnik, Knochen- und Sehnen-Qigong, TaiChi-Chuan, Fitball, Gymnastik mit Alltagsmaterialien (Papiertüten, Kleiderbügel) und Gymnastikbällen, Flow Gym, Happy Gym, Tips für das eigenständige tägliche Training,
„Outdoor“ – Aktivitäten: Nordic-Walking, Stickwalking, Beach-Volleyball,
Joggen mit Alexandertechnik
Tänze: Kanarischer Folklore, Baile Salza, Flamenco, Latin-Aerobic, Line Dance,
Geselligkeit: Boule/Petanque,
Sprachunterricht: Die wichtigsten spanischen Wörter für das Festival und den Insel – Aufenthalt.
Außer diesen 25 Workshopthemen, die wegen der starken Nachfrage z.T. 20 Parallelkurse benötigten, gab es zwei Foren, die etwas theoriebetonter waren und „das Gedächtnis und die Koordination“ bzw. den für die Generation 50 plus „gesunden Sport“ zum Thema hatten.
Jede/r Teilnehmer/in hatte das Recht drei Workshops zu belegen. Dieses wurde von den meisten wahrgenommen. Andere belegten, so weit Platz vorhanden war, 5 und 6 Kurse, so dass manche Workshops „aus den Nähten platzten“ und die angebotenen 92 Workshops gerade ausreichten.
Workshopleiter/innen aus 10 verschiedenen Ländern
So bunt wie die Zahl der Teilnehmenden war auch die Auswahl der Sportlehrer/innen bzw. Übungsleiter/innen. Aus Dänemark, Finnland, Kolumbien und den Niederlanden, aus der Schweiz, aus Schweden, Spanien und Russland sowie aus der Tschechischen Republik und selbstverständlich aus Deutschland kamen die Workshopleiter/innen.
Der NTB war durch Christiane Kleinke, Emmy und Otto Fischer sowie Rita Rattey vertreten.
Marina Wolff-Bühring wohnt zwar in Hamburg, ist aber vielen NTBlern durch ihre Stickwalking-Kurse in Melle bekannt. Nimmt man noch Klaus Witte (Moderator für die Hauptbühne für die Vorführungen) und Bärbel Schöttler (Verantwortlich für die Workshops) dazu, so war Niedersachsen an der Organisation der Veranstaltung stark beteiligt.
Und diejenigen, die nun schon zum vierten Mal an einem solchen Festival 50plus teilnahmen, schienen kaum mehr auf die Inhalte gesehen zu haben, sondern buchten die Person. So kam es, dass bei Christiane Kleinke z.B. sich 120 Personen abwechseln mussten: während immer 40 Turnerinnen bei der Ball-, Kleiderbügel- oder Tütengymnastik aktiv waren, setzten die anderen aus.
Top fit mit 83
Wenn zu Beginn geschrieben wurde, dass sich meistens im Alter die Motive Sport zu treiben eher fort von Wettkampf und Wettbewerb und hin zu Begegnung/Gesundheit/Geselligkeit verlagern, so gibt es natürlich auch hier Ausnahmeerscheinungen: Johanna Quaas, die dreifache Mutter und zweifache Großmutter aus Halle.
Nach einer hervorragenden Bodenübung wurde verkündet, dass „Hannchen“, wie sie liebevoll genannt wird, am Vortage ihren 83. Geburtstag hatte feiern können. Welch eine Leistung! Und nicht etwa verkrampft, sondern vorgetragen wie von einer jungen Frau. Die Botschaft ihres phantastischen Vortrages nahmen viele mit nach Hause: Solch eine Leistung ist nur möglich wenn man versucht, sich von der Kindheit bis ins Alter durch regelmäßiges Üben fit zu halten.
Die nächsten „Golden Age“ – bzw. „IGF 50+“ Festivals
Die nächsten „Golden Age“ – bzw. „IGF 50+“ Festivals
Das nächste Golden Age Gymnastik Festival wird voraussichtlich im September 2010 in Portomao/Portugal stattfinden.
Das nächste IGF 50+ findet vom 21. - 29. November 2009
wiederum auf Gran Canaria statt. Es wird schon jetzt sehr herzlich dazu eingeladen.
Interessierte können sich an die Unterzeichnende (Tel.: 05520-1280 oder schoettler.braunlage(AT)t-online.de) wenden.
Jesus Telo Nuñez
Zwei Wochen vor Beginn des Golden Age Festivals verstarb in seiner Heimatstadt Las Palmas der „kanarische Turnvater“ Jesús Telo Nuñez im Alter von 82 Jahren.
Nicht nur die Sportwelt Spaniens trauert um ihn, sondern auch Generationen internationaler Gäste und des NTB, die ihn u.a. durch das von ihm ins Leben gerufene BLUME GRAN CANARIA kennen und schätzen gelernt haben.
Ursprung des BLUME-Festivals
Joaquim Blume spanischer, vierfacher Europa-meister im Turnen war 1959 auf dem Flug nach Las Palmas zur Eröffnung des ersten Gran Canaria Festivals tödlich verunglückt. Durch die Namensgebung (1960) „BLUME - Festival“ wurde in diesem Jahr zum 48. Mal an die Trauer um den sehr beliebten spanischen Turner erinnert.














